Radio vs. Podcasts / Es ist schon jetzt ein Kampf der Giganten

 

Gut ich gebe zu; man sollte möglicherweise einen Begriff wie "Kampf" nicht verwenden, wenn es nicht unbedingt sein muss. In diesem Fall habe ich mich anders entschieden, denn Radio vs. Podcasts ist tatsächlich in kürzester Zeit ein "Kampf der Giganten" geworden, somit hinkt der Vergleich nicht!

Kurz kam mir in den Sinn von David gegen Goliath zu sprechen, aber darüber sind wir meiner Meinung nach weit hinaus. Wenn die Bildzeitung den eigenen Podcast auf der Startseite der Homepage eine Woche lang ganz oben platziert, wenn der Chef von Audible Nils Rauterberg von einem Podcasthype spricht, oder die ARD-Podcastmediathek aufgrund der Vielzahl von Angeboten aus allen Nähten platzt, dann ist es schon eher eine mediale Auseinandersetzung auf Augenhöhe.

 

Schauen wir uns doch mal den Radiohörer von heute an: Aktuell würde ich sagen, dass ein Nutzer von Medien zunächst mal nicht sehr viel Zeit hat und sich vor allem nur kurz mit Inhalten beschäftigt und nur gedanklich anwesend bleibt, wenn ihn das, was er sieht, hört oder liest auch interessiert. All das führt dazu, dass Mediennutzung heute eine bewusste Entscheidung für einen bestimmten Inhalt ist - also auf Abruf! Wer glaubt, dass diese Entwicklung am Medium Radio vorbei geht, liegt falsch!!!

Die Frage ist nur, in welcher Intensität diese Entwicklung eintritt und welche Konsequenzen das dann wiederum hat.

 

Nur EIN Beispiel! Schauen wir uns doch mal den klassischen Autofahrer - ich nenne ihn auch gerne den "Radiohörer von gestern" - an. Wechselt er sein Auto, tauscht er auch gleichzeitig sein UKW-Radio gegen UKW/DAB oder ein mit dem Internet verbundenes Autoradio aus. Von den Möglichkeiten des Empfangs ist der Radiohörer also von einen auf den anderen Tag mittendrin im "Kampf der Giganten". Denn neben seinem Lieblingssender und anderen Radiosendern kann er nun auch die zahlreichen andere Audioangebote auf Abruf hören und das sind schon lange nicht mehr nur Inhalte von Radiosendern.

 

Das ist Youtube auf die Ohren, das ist hörbares Netflix, das ist n-tv, kicker oder Spiegel, ohne dass man dabei vom Autofahren abgelenkt wird. Also Tacheles gesprochen: Die digitale Entwicklung rund um die Endgeräte wie Smartphones, Autonavis, Sprachassistenten im Haushalt und Co. liegt definitiv auf der Seite der Podcasts.

 

Aber die Menschen wollen doch die Radiomoderatoren hören? Ja korrekt - nur Personality gibt es auch in Podcasts! Die Hörer wollen von der Musikauswahl überrascht werden! Sehe ich genauso - nur ist die Herausforderung groß und manches mal unmöglich, auch immer den individuellen Geschmack des einzelnen Hörers zu treffen!

 

Und so schön das nostaglische Bild des Radioempfängers mit der ausziehbaren Antenne ist und so sehr ich dieses Medium liebe - aktuell glaube ich wird das klassische Radio in diesem Kampf als Verlierer vom Feld gehen! Die einzige Möglichkeit die drohende Niederlage zu verhindern, ist meiner Meinung nach ein kompletter Strategiewechsel.

 

Denn in der heutigen Zeit kann man sich ABWARTEN nicht mehr leisten!!!